Pharmakologische Eigenschaften von Aloe Vera und seinen Hauptwirkstoffen: Eine Übersichtsstudie

Aloe Vera wird traditionellerweise zur Behandlung verletzter oder gereizter Haut (Verbrennungen, Schnitte, Insektenstiche und Ekzeme) sowie gegen Verdauungsprobleme eingesetzt, da es über anti-inflammatorische, anti-mikrobielle und wundheilende Eigenschaften verfügt.

Die am meisten untersuchten Aktivstoffe der Aloe Vera sind Aloe-Emodin, Aloin, Aloesin, Emodin und Acemannan. Ebenso wurden weitere Wirkmechanismen von Aloe Vera und seiner Bestandteile erforscht. Die zugrundeliegende Studie stellt einen Überblick der aktuellen pharmakologischen Studien (In vitro-Studien, In vivo-Studien sowie klinische Versuchsreihen) dar.

Hautschützende Eigenschaften

Im Großteil der in vitro-Studien zur hautschützenden Wirkung von Aloe Vera und ihren Aktivstoffen wurde deren wundheilenden Eigenschaften untersucht. Dazu wurde in den meisten Fällen eine humane Keratinozytenzelllinie (HaCaT) beziehungsweise eine epidermale Keratinizytenzelllinie (HEKa) oder Fibroblastenzelllinien genutzt. Diese Studien belegten, dass die hautschützende Wirkung von Aloe Vera und seinen aktiven Hauptbestandteilen (Aloesin, Aloin und Emodin) über deren anti-oxidativen und anti-inflammatorischen Wirkmechanismen geschieht.

Aloe Vera regelte die Expression von TFGβ1, bFGF und Vegf-A in den Fibroblasten nach oben und erhöhte die Proliferation und Differenzierung von Keratinocyten übder die lysosomale Membranstabilität. Desweiteren war Aloe Vera-Lösung im zellulären Modell primärer Kulturen von Hornhautepithelzellen in der Lage, die Schließung von Wunden auch bei geringen Konzentrationen (≤175 µg/mL) zu beschleunigen, indem es den Abbau von Typ-IV Kollagen erhöhte.

Darüber hinaus schützte Aloin die Haut, indem es die Produktion von IL-8, DNA-Schaden, Lipid-Peroxidation und ROS-Entstehung reduzierte und den Anteil an GSH sowie die Aktivität von SOD erhöhte. Die Verbindung Aloesin wiederum bewirkte Wundheilungseffekte durch eine Erhöhung der Zellmigration via Phosphorylation von Cdc42, Rak1, Zytokinen und Wachstumsfaktoren. Zusätzlich zu den Wundheilungseffekten wurde in Studien berichtet, dass Aloe-Polysaccharid (20, 40 und 80 µg/mL für 24 Stunden) als Mittel bei der Behandlung von Psoriasis geeignet ist, da es die Hemmung der TNF-a-Level sowie der Proteinexpression von IL-8 und IL-12 in der humanen Keratinocytenzelllinie bewirkte.

Ebenso wurden in Studien berichtet, dass Aloe Vera aufgrund seiner anti-oxidativen Eigenschaften gegen Röntgenstrahlung schützt, indem es die Aktivität anti-oxidativer Enzyme und den GSH-Gehalt erhöht und die Produktion von ROS und die Lipidperoxidation verringert. Untersuchungen der isolierten Aktivstoffe Aloe-Emodin und Aloesin zeigten, dass sich deren heilende Wirkung auf ihre angiogenetischen Eigenschaften zurückführen lässt.

In den letzten 6 Jahren vor der Veröffentlichung der dieser Zusammenfassung zugrundeliegenden Studie wurden verschiedene klinische Studien durchgeführt, von denen einige die Wirksamkeit der Anwendung von Aloe Vera zur Behandkung von Geschwüren untersuchten. Hier ergab sich, dass die zweimalige tägliche Anwendung eines Aloe Vera-Gels über einen Zeitraum von 3 Monaten hinweg die Wundheilung verbesserte und beschleunigte und zudem die Hospitalisierungszeit verkürzte.

Darüberhinaus haben klinische Untersuchungsreihen gezeigt, dass Aloe Vera eine rapide Gewebeepithelisierung und Granulation bei Verbrennungen bewirkte, die Heilung von Kaiserschnittwunden begünstigte sowie die Wundeilung von Spenderstellen für Spalthauttransplantate beschleunigte.

Anti-inflammatorische Wirkung

In einer von Thunyakitpisal et al. durchgeführten Studie konnte gezeigt werden, dass der Aloe Vera-bestandteil Acemannan die Expression von IL-6 und IL-8 sowie die NF-κB/DNA-Bindung in den gingivalen Fibriblasten über den Toll-like-Rezeptor-Signalweg erhöhte.

Da es einen Zusammenhang zwischen hohen Leveln an IL-1β und periodontalen Erkrankungen gibt, untersuchten Na et al. in einer weiteren Studie die anti-inflammatorischen Eigenschaften von Aloin in oralen Kb-Epithelial-Zellen, welche mit dem Speichel von gesunden Studienteilnehmern stimuliert wurden. Die Studie zeigte, dass die Speichelproben mit einem hohen Gehalt an IL-1β-stimulierter IL-8-Produktion in KB-Zellen und mit Vorbehandlung mit Aloin die Produktion von IL-8 hemmte, indem p38 und extrazelluläre signal-regulierte Kinase-Pfade verringert wurden.

In einer von Ahluwalia et al. durchgeführten Studie wurde die Wirkung eines standardisierten Aloe-Vera-Extrakts, welcher Alin und Acemannan enthält auf die Aktivierung, Proliferation und Zytokinsekretion von T-Blutzellen gesunder männlicher Studienteilnehmer untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Expression von CD25 und CD3 bei CD3(+) T-Zellen verringert wurde. Desweiteren bewirkte der standardisierte Aloe-Vera-Extrakt eine konzentrationsabhängige Unterdrückung der T-Zellen-Proliferation sowie eine Verringerung von IL-2, IFN-γ und IL-17A.

Anti-oxidative Eigenschaften

In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass ein Ethanolextrakt aus Aloe Vera mikrovaskulare Endothelialzellen gegen durch Hydrogenperoxid und 4-hydroxynonenal induzierte Toxizität schützte, indem er die Produktion von ROS und HNE-Protein-Addukten verringerte. Die anti-oxidative Aktivität von Aloe Vera ist partiell begründet in den enthaltenen Anthrachinonen und den damit zusammenhängenden Verbindungen (10 µM), welche über Peroxylradikal-Fänger-Eigenschaften verfügen und die Kapazität verringern.

Eine klinische Versuchsreihe mit 53 gesunden Teilnehmern zeigte, dass die Einnahme von Aloe Vera-Extrakt über einen Zeitraum von 14 Tagen die anti-oxidative Kapazität des Plasmas der Versuchsteilnehmer erhöhte.

Fazit  

Die zugrundeliegende Studie kommt zu dem Ergebniss, dass Aloe Vera und verschiedene seiner Bestandteile (wie beispielsweise Aloe-Emodin und Aloin) Wirkstoffe mit verschiedensten anti-oxidativen, anti-inflammatorischen, anti-mikrobiellen und hautschützenden Eigenschaften sind, die in verschiedenen Studien nachgewiesen wurden und deren Wirkmechanismen dort beschrieben worden sind.

Zugrundeliegende Studie:

Sánchez, M. et al.: Pharmacological Update Properties of Aloe Vera and its Major Active Constituents; in: Molecules 2020, 25, 1324; doi:10.3390/molecules25061324